Viele Frauen sitzen mir gegenüber und sagen fast entschuldigend: Ich schlafe doch und trotzdem bin ich so müde!

Diese Müdigkeit fühlt sich anders an als früher. Sie ist nicht einfach Erschöpfung nach einem langen Tag, sie ist tiefer, zäher und verunsichert Frauen. Nicht selten entsteht daraus der Gedanke, dass mit einem selbst etwas nicht stimmt.
Genau an diesem Punkt möchte ich etwas klarstellen: Diese Müdigkeit ist kein persönliches Versagen, sie ist ein körperliches Signal.
Was sich im Körper in den Wechseljahren verändert
In den Wechseljahren stellt sich die innere Steuerung des Körpers um. Hormone, Nervensystem und Stoffwechsel greifen anders ineinander als früher. Viele Ausgleichsmechanismen, die lange selbstverständlich funktioniert haben, brauchen plötzlich mehr Zeit oder greifen nicht mehr zuverlässig.
Stresshormone wirken länger nach. Regeneration setzt verzögert ein. Das kann dazu führen, dass du im Bett liegst, dein Körper aber nicht wirklich Erholung findet. Oder dass du im Alltag funktionierst, dich innerlich allerdings dauerhaft angespannt fühlst.
Der Körper reagiert darauf nicht falsch. Er reagiert sinnvoll. Er spart Energie. Nicht aus Schwäche, sondern aus Schutz.
Warum mehr Disziplin oft das Gegenteil bewirkt
Ich erlebe häufig, dass Frauen versuchen, diese Müdigkeit mit noch mehr Einsatz auszugleichen. Sie machen weiter, reißen sich zusammen und stellen immer höhere Ansprüche an sich selbst.
Das Problem ist nicht der Wille. Das Problem ist die Richtung.
Der Körper braucht in dieser Phase keine zusätzlichen Reize. Er braucht Regulation. Wer Müdigkeit ignoriert, hält das System im Alarmzustand.
Wer sie ernst nimmt, schafft die Grundlage für Stabilität!
Müdigkeit ist ein Signal, kein Gegner
Erschöpfung zeigt, dass Belastung nicht mehr vollständig ausgeglichen wird. In den Wechseljahren kommen oft mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel:
🌿 anhaltender innerer oder äußerer Stress
🌿 unterbrochener oder oberflächlicher Schlaf
🌿 hohe Reizdichte im Alltag
🌿 Schwankungen im Blutzucker
🌿 stille entzündliche Prozesse
Diese Faktoren wirken nicht isoliert. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Genau deshalb fühlt sich die Müdigkeit oft diffus an und lässt sich nicht an einem einzelnen Wert festmachen.
Ein erster Schritt, der wirklich entlastet
Bevor du versuchst, etwas zu verändern, lade ich dich zu einem anderen Schritt ein: Beobachtung statt Aktionismus.
Achte einige Tage bewusst darauf, wann deine Müdigkeit stärker wird. Nach stressigen Gesprächen, nach Terminen ohne Pause, nach innerem Druck oder nach langen Bildschirmzeiten?
Du musst nichts bewerten und nichts sofort lösen. Du sammelst Informationen. Allein das nimmt oft schon Druck aus dem System und bringt mehr Ruhe in den Kopf.
Eine kleine Übung, um zur Ruhe zu kommen
Diese Übung kannst du jederzeit machen. Sie dauert etwa drei Minuten.
Setz dich bequem hin. Beide Füße stehen fest auf dem Boden. Lege eine Hand auf den Bauch und eine auf den Brustkorb. Atme langsam durch die Nase ein und zähle innerlich bis vier. Atme durch den Mund aus und zähle bis sechs. Wiederhole das für etwa zehn Atemzüge.
Damit gibst du deinem Nervensystem ein klares Signal, einen Gang runterzuschalten. Nicht alles wird dadurch gelöst. Aber vieles wird spürbar leiser.
Mein Ziel ist nicht, schnelle Lösungen zu versprechen. Mein Ziel ist, Zusammenhänge zu erklären. Denn Verstehen entlastet und Entlastung ist oft der erste echte Schritt.






